Pessovereinigung Deutschland & Schweiz e.V.

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Heaven of Baby Souls“, Arbeit mit dem „Babyhimmel“ - von Almuth Roth-Bilz, 2018

Der „Heaven of Baby Souls“ ist kein Spezialthema der Pesso Therapie, sondern eine konsequente Anwendung der Grundprinzipien der Pesso Theorie. Machen wir uns diese noch einmal klar.

  1. Energie – Aktion – Interaktion - Bedeutung. Die Energie wird Aktion, dazu gibt es die passende Interaktion, (Shape-Countershape) und daraus ergibt sich die Bedeutung.
  2. Genetisches Gedächtnis: Jedes Lebewesen hat in sich die genetische Erwartung, dass seine Bedürfnisse durch eine diese Bedürfnisse genau beantwortende Umwelt erfüllt werden (Shape-Countershape).

  3. Prinzipien: „Bank of trust“. Wird die genetische Erwartung durch die gegebene Umwelt nicht oder nur unzureichend erfüllt, hält die „Seele“ Ausschau: Wo finde ich das? Auf diese „Objekte“ („Orte“) wird dann die Erfüllung der Bedürfnisse projiziert.

  4. Die Heilung kommt aus dem Antidot, aus der Interaktion zur richtigen Zeit mit der richtigen Person.

  5. Wie ist die Geschichte des Klienten? Was genau hat gefehlt, was genau braucht er? Wie sind seine Bilder? Was kann er glauben? („Belivability“)

  6. Das, wohin oder auf was der Klient die Erfüllung seiner Bedürfnisse projiziert hat (Partner, Bäume, Himmel, Natur usw.) - von dort erwartet er die Erfüllung seiner Bedürfnisse und von dort bringt man sie in der Therapiearbeit auf die richtigen Interaktionsfiguren (Ideale Eltern). Das „Prinzip“ wird auf die Idealen Eltern gebracht und kann dann auch bei diesen erlebt und angenommen werden.

Theorie des Platzthemas

 

Fehlt zu Beginn des Lebens die richtige Interaktion für das noch ungeborene Selbst in Form einer das befruchtete Ei liebevoll empfangenden Mutter, einen das gewollte Kind liebevoll umfassenden Uterus, ein Platz in den Augen, den Armen, dem Herzen der Mutter, und gibt es auch keine Ersatzobjekte wie: Amme, Großmutter oder Krankenschwester, so geht die Energie nicht ins Leben, sondern „zurück“ in den Zustand „before existence“.

Wird die Aktion – einen Platz auf der Erde finden wollen – nicht beantwortet, zieht sich die Seele zurück in den Zustand des „Nicht – Geboren-Sein“. Von den Grundbedürfnissen her gesehen, handelt es sich um ein Platzthema.

Wie erkennt man als Therapeut, dass es sich um ein Platzthema handelt?

 

  • Auf der Körperebene:

 

  • Schauen aus dem Fenster.
  • Schauen in den Himmel.
  • Schauen ins Leere.
  • Schauen nach oben.
  • Fallen – der Körper fällt in einer Struktur nach untern. -
  • Sie sind nicht wirklich da.

 

 

  • Auf der emotionalen Ebene:

 

  • Gefühl von entwurzelt sein.

  • Angst vor intimem Kontakt.

  • Sie haben Sehnsucht nach Nähe und ziehen sich zurück, da Nähe „giftig“ sein könnte.

  • Gefühl, ins Leere zu fallen.

  • Tendenz, sich aus dem eigenen Körper zurück zu ziehen.

  • Sich ohne Boden fühlen.

  • Finden keine Sinn im Leben.

  • Tendenz, zu Dissoziation und Depersonalisation.

  • Sehnsucht nach fernen Orten, nach Planeten, anderen Existenzen.

  • Fasziniert von esoterischen Themen.

  • Sie sind nicht im eigenen Körper zu Hause.

  • Fühlen sich omnipotent (Da es keinen anderen gab, mussten sie für sich selbst sorgen) (Kein anderer = Omnipotenz).

 

  • Lebensgeschichtliche Umstände, die dazu führen können:

 

  • Empfängnis während Kriegzeiten.

  • Unvollständiges Eingenistetsein des Eies.

  • Dies kann durch emotionale Schwierigkeiten der Mutter passieren. Zu viele Schlafmittel oder weil das Kind durch Vergewaltigung oder Inzest empfangen wurde. Wenn die Festigkeit des Eingebettetseins ernstlich behindert ist, kommt es zu Fehlgeburten.

  • Beängstigende oder bedrohliche Geräusche oder physische Erfahrungen während man im Muterleib ist. Der Fötus reagiert auf die Schreie der Mutter, auf ihr Herzklopfen, auf ihre Ängste und ihren Ärger. Der Fötus fühlt sich verletzt durch die Schläge des Vaters.

  • Hormonelle oder körperlicher Übertragung des mütterlichen Unglücks oder Widerwillen über die Schwangerschaft. Das Kind fühlt das "Nein" der Mutter auf einer chemischen Ebene.

  • Wenn die Gebärmutter zu klein ist, Zwillingsgeburten.

  • Frühgeburten, wenn das Kind nicht ausreichend genug die Erfahrung des sicheren Ortes gemacht hat.

  • Durch eine Mutter geboren zu werden, die gerade einen Verlust erlitten hat und noch in Trauer ist.

  • Verlassenheit nach der Geburt. Wenn die Mutter stirbt, ist die Kontinuität der Platzerfahrung gestört.

  • Längere Krankenhausaufenthalte, direkt nach der Geburt.

  • Freigabe zur Adoption, dirket nach der Geburt.


Therapeutische Arbeit

 

Wie kann man einer Person, die keinen Platz auf dieser Erde gefunden hat, dazu verhelfen, einen Platz auf dieser Erde bei einer Idealen Mutter zu finden? Da dieses „himmlische Gefühl“ der absoluten Verbundenheit hier auf dieser Erde nicht gefunden werden konnte, können diese Klienten es auch nicht bei einer noch so guten „idealen Mutter“ in einer Pesso-Struktur erleben. Nur dort, im „andern Bereich“, kann es erlebt werden. Dort, im „Himmel der ungeborenen Seelen“ und nur dort ist es solchen Klienten möglich, die tiefe Verbundenheit, Ruhe, Geborgenheit emotional zu erleben, dort, wohin sie dies alles projiziert hatten.


Gängige Symbole für den „Himmel“

Auch wenn wir unseren Klienten die „Theorie“, erklären, so ist das keine Theorie, sondern eine Arbeit mit Metaphern. Jeder Mensch hat eine andere Vorstellung davon, was „da oben“ ist (Schon allein das „Da oben“ ist eine Vorstellung).

Manche nennen es Himmel, manche Tod, andere Kosmos, der Platz, wo man mit Gott und den Engeln im Himmel ist.

Bei einer Klientin war es „Der Platz wo keine Erwartung ist“, oder: da oben ist „das Gute“, oder: „da ist es voller Energie und Licht und wenn die Energie auf die Erde kommt, kristallisiert es, es wird ganz kalt und ein Eisklumpen kommt dann an“. Für eine Klientin war es der „blaue Planet“. Die Metaphern sind so vielfältig wie Menschen vielfältig sind.

Pesso nennt es, vor allem, wenn er den Klienten die „Theorie“ erklärt, häufig: Der Platz der ungeborenen Seelen oder „Himmel der Babyseelen“ oder „Holding place where babysouls are before they came to earth“. Sicher ist das eine geschickte Metapher, da sie nicht anderweitig mit Bedeutung geladen ist.


Strukturarbeit

In den Strukturen muss also ein Weg gefunden werden, auf dem der Klient mit diesen Symbolen so in eine Interaktion kommt, dass diese Symbole zum Leben gebracht werden. Hier – und nur hier - ist dann die höchste Energie des Körpers befreit. Nun braucht es eine Interaktion. Früher hat Pesso eine Person in die Rolle der „richtigen“ Interaktionfigur wählen lassen. Eine Person, die in die Rolle von „ Kosmos“ oder „Tod“ geht. Heute macht er das oft auf der Vorstellungsebene. Dem Klienten ist es erlaubt, in dieser Bedingung (in den Armen des Kosmos, im „Heaven of Babysouls“) so lange zu bleiben, wie er will, weil hier nämlich diese Form von Frieden gefunden werden kann, nach der der Klient sich so lange gesehnt hat. Die Klienten sind erstaunt, weil sie nun diese Gefühle haben, von denen sie nicht dachten, dass es diese für sie auf dieser Erde geben könnte. Und wenn sie nun die Freude des realen Lebens in ihren Adern fließen fühlen, dann ist es ein Funktion des Lebens, auf die sie neugierig werden. An diesem Wendepunkt muss man ihnen helfen, einen „lieben Gott, Kosmos“ etc. zu konstruieren, der vielleicht folgendes sagt: „Ich sollte dich hier behalten und dich nicht vorher zurück gehen lassen auf die Erde, bevor ich nicht für dich die exakt richtige Mutter und den exakt richtigen Vater gefunden habe, in deren Leben ich dich dann hinein setze“. Dann vielleicht könnte Gott, mit der Hilfe von Engeln, den Klienten zu dem Uterus der idealen Mutter bringen.

Grundstruktur der Arbeit

Die Aktion (auf die Erde wollen und einen Platz finden) wurde nicht durch eine passende Interaktion beantwortet. Die „Seele“ zieht sich zurück in die „Nichtexistenz“. Dank der genetischen Erwartung, die eine richtige Interaktion kennt, wird diese Interaktion auf etwas anderes („Platz“ außerhalb der Erde) projiziert. Hier nun liegt das „Prinzip“ von „Platz haben“ (Verbundenheit spüren, Vertrauen haben, Willkommen sein etc.).

Dieses „Prinzip“ muss man nun zu den „richtigen Personen“ bringen. Dies braucht – wie alle anderen PBSP Arbeiten – die genaue Passform zum historischen Geschehen unter der Berücksichtigung dessen, was der Klient glauben kann.


Strukturarbeit:   

  • Registrieren, ob es sich um ein Platzthema handelt, handeln könnte.

  • Im richtigen Moment ansprechen.

  • Dem Klienten die Theorie erklären (beobachten, ob er anspringt oder nicht).

  • Fragen, ob er damit arbeiten möchte.

  • Metapher vom „Himmel der ungeborenen Seelen“ anbieten (aber genau zuhören, was die Metaphern des Klienten sind).

  • Die „Prinzipien“ die im „Himmel“ sind, herausarbeiten (Vertrauen? Verbundenheit? geliebt werden? Ruhe haben? etc.).

  • Damit in Interaktion bringen.

  • Unter Berücksichtung der historischen Geschichte dieses Prinzip durch „ideale Eltern“ gewährleisten.

Manche Klienten brauchen mehrere Strukturen, bei denen sie im Kosmos bleiben dürfen, bis sie bereit sind, auf diese Erde zu kommen.


Prinzipielles und eigene Überlegungen zu diesem Thema

 

Die Klienten müssen mit ihrem Piloten wissen, dass es eine symbolische Arbeit auf der Strukturebene ist, keine Einladung zum Suizid.  

„In dem Bewusstsein, dass die reale Lebensgeschichte des Klienten schmerzhaft war, muss die Rückkehr zum Leben vom Tod und von Gott sehr sorgfältig angegangen werden, so dass nicht die Verringerung von Gottes Liebe die Konsequenz ist. Denn wenn es eine Störung in irgendeinem der Übergangsmomente gibt, mag das auf den Klienten so wirken, dass das Leben immer noch unsicher bleibt und dass nur der Tod und der buchstäbliche Kontakt mit Gott den zuverlässigen Weg zum Frieden bieten“. (Pesso Kap. 12 in Pesso/Perquin „Die Bühne des Bewusstsein“, CIP Medien 2008).  

Eine solche Arbeit braucht sehr viel Fingerspitzengefühl, Kreativität und Einfühlung in die Metaphern des Klienten. Wie bekommt man die „Seele“ vom „blauen Planet“ zu einer idealen Mutter? Hier war nicht der Engel, sondern das blaue Raumschiff mit Flugbegleiterin die Lösung.

Arbeit in der Einzeltherapie
Arbeit in der Einzeltherapie ist eine Arbeit in der Vorstellung: eine solche Arbeit in der Vorstellung ohne Rollenspieler gelingt, wenn es im Gehirn Erinnerungsspuren von körperlichen Interaktionen gibt. Diese Erinnerungsspuren werden in der Vorstellung abgerufen und führen zu einem körperlich erlebten Antidot. Fehlen jedoch diese ganz frühen Erfahrungen körperlicher Berührung, können keine Erinnerungsspuren abgerufen werden. Der Klient wird bei dem Versuch, die körperliche Geborgenheit mit einer „idealen Mutter“, die er sich nur vorstellt, wieder frustriert, weil er dies nicht „erleben“ kann, da die Erinnerungsspuren einer solch frühen Berührung fehlen. Dies kann unter Umständen zu Suizidalität führen. Ich löse dieses Dilemma in der Einzeltherapie folgendermaßen:

  • Ich benenne das Platzthema.

  • Ich erkläre die Theorie.

  • Wenn ich zu der Theorie Zustimmung bekomme:

  • Erkläre ich: warum ich eine solche Arbeit nicht im Einzelsetting machen möchte, dass es dazu Rollenspieler braucht (muss nicht sein, kann aber unabdingbar sein).

  • Und empfehle meine eigene Gruppe oder empfehle eine Kollegin, die sicher und kompetent in der Gruppe damit umgehen kann.

 

Manchmal genügt es, diese eine Strukturarbeit in der Gruppe zu machen. Die Einzelarbeit muss nicht unterbrochen werden. Man kann an allen anderen Themen weiterarbeiten.

Quellen:
Eigene Mitschriften 1992-2015
Artikel: Working with suicidal Clients, PS Press Lake Shore Drive, Franklin, 1985
Paper: Die Effekte von prä- und postnatalen Traumata, Juni 1990
Pesso/Perquin: Die Bühnen des Bewußtseins, CIP Medien 2008, Kapitel 12  
 


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